Beinahe jeder Mensch kennt es: Sodbrennen und saures Aufstoßen. Saurer Mageninhalt steigt in Rachen und Speiseröhre und sorgt für das typische brennende Gefühl hinter der Brust. Fast 20% der Deutschen haben es sogar regelmäßig. Trotzdem wird das Sodbrennen oft immer noch als „lästiges“ Symptom abgetan. Dabei ist es oftmals ein mögliches Zeichen für eine Refluxkrankheit. Dabei kann die Speiseröhre teils stark geschädigt werden und – im schlimmsten Fall – sogar zu Speiseröhrenkrebs führen. Sodbrennen sollte man also lieber nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Mögliche Auslöser sind reichlich vorhanden. Dazu gehören typischerweise sehr fettige, scharfe oder saure Speisen, Alkohol und Nikotin, Stress, Übergewicht, sowie gewisse Medikamente. Auch opulente Mahlzeiten, besonders kurz vor der Bettruhe, sind klassische Auslöser für Sodbrennen.

Möchte man langfristig Ruhe haben, sollte als erste Maßnahme der Lebensstil angepasst werden. Besonders wichtig ist hierbei Stressabbau, Gewichtsabnahme im Fall von Übergewicht sowie das Vermeiden von Alkohol, Nikotin und übermäßig würzigen Speisen.

Aber was kann getan werden, wenn Sodbrennen bereits akut vorhanden ist? Der Lebensstil ist ja leider nicht über Nacht umgestellt. Eine Tablette schlucken oder zwei? Hoffentlich nicht! Eine neue Studie aus dem Oktober 2017 deutet an, dass eine Ernährung nach Art der Mittelmeerküche akutem Sodbrennen entgegenwirken kann. Solltest du also besser Gemüse und Früchte zu dir nehmen, als Säureblocker-Tabletten? Wahrscheinlich Ja!

Wie die Ernährung Sodbrennen beeinflusst

Die Tatsache, dass eine gesunde Ernährung Sodbrennen langfristig an der Wurzel bekämpft, sollte Dich nicht überraschen. Was wir unserem Körper zuführen entscheidet, ob Sodbrennen ausgelöst oder vermieden wird. Neu ist die Feststellung, dass gewisse Lebensmittel als gute natürliche Hausmittel bei akutem Sodbrennen taugen. Die erwähnte Studie hält eine strenge Diät nach den Regeln der mediterranen Küche für genauso aussichtsreich Sodbrennen zu lindern, wie eine Therapie mit den typischen Medikamenten. Diese haben neben ihrer heilenden Wirkung auch etliche Nebenwirkungen.

Mediziner behandeln Sodbrennen typischerweise mit sogenannten Säureblockern (Antazida), welche überflüssige Magensäure neutralisieren sollen – oder mit Protonenpumpenhemmern, welche die Produktion von Magensäure von nornherein herunterregeln. In der Theorie klingt das schlüssig, aber in der Praxis haben solche Mittel stets Nebenwirkungen und bekämpfen nur die Symptome, nicht aber die Ursachen.

Tabletten gegen Sodbrennen

Eine Forschergruppe um Dr. Craig Zalvan, dem Leiter der Hals-Nasen-Ohren Abteilung des Northwell Health Phelps Hospital (New York), untersuchte kürzlich in einer hochinteressanten Studie, ob eine Ernährungsumstellung alleine starkes Sodbrennen bekämpfen und somit auch zur kurzfristigen Linderung dienen kann. Im Blickpunkt der Wissenschaftler stand dabei die Mediterrane Ernährung, die generell als besonders gesund gilt.

Die Studie – Strikt Mediterrane Ernährung

Das Ziel der Forschergruppe war herauszufinden, ob sich die Symptome der sogenannten Refluxkrankheit komplett ohne Einnahme von Medikamenten merklich verbessern lassen.

Dr. Zalvan: „Gängige Medikamente helfen durchaus vielen Patienten. Ich bin aber der Meinung, dass eine medikamentöse Therapie nicht die einzig effektive Behandlung von Sodbrennen und Reflux sein kann. Denn viele der geläufigen Medikamente, wie Protonenpumpenhemmer, bringen teils erhebliche Nebenwirkungen mit sich.“

Die Idee, die Mediterrane Ernährung als Therapieform mit seinen Patienten zu erproben, kam dem Mediziner anhand seines Wissens um andere ermutigende Studien in diesem Bereich. Die Mittelmeerküche wurde, aufgrund ihres hohen Anteils an Obst, Getreide und Gemüse, sowie der weitestgehenden Abwesenheit tierischer Fette, bereits in Bezug auf andere chronische Krankheiten untersucht (Studien 1, 2, 3, 4, 5, 6).

Für die Untersuchung selbst wurden 99 an „Laryngitis gastrica“ leidende Patienten ausgewählt. Das ist eine spezielle Art der Refluxkrankheit. Diesen Patienten wurde eine strenge mediterrane Diät auferlegt. Die Mediterrane Küche besteht vorwiegend aus viel Gemüse, Salat, Obst, Fisch und gesunden Ölen wie Olivenöl.

Außerdem sollten die Probanden basisches Wasser trinken und generell die normalen prophylaktischen Maßnahmen gegen Sodbrennen beachten, wie Verzicht auf Kaffee, Nikotin, Alkohol und scharfes Essen während der Studie.

Dem entgegen stand eine 85-köpfige Kontrollgruppe, die angewiesen wurde, ihre Beschwerden mit gängigen Medikamenten zu behandeln. Diese Kontrollgruppe musste ebenfalls darauf achten, typische Auslöser für Sodbrennen zu meiden – genau wie die Erstgruppe.

Ergebnisse – Klare Symptom-Linderung durch Mediterrane Küche

Über 6 Wochen hinweg untersuchten die Mediziner, wie sich die Symptome der jeweiligen Probandengruppen entwickelten. Die Ergebnisse waren überraschend, denn es deutet alles darauf hin, dass die Mediterrane Ernährung ebenso gut, wenn nicht sogar besser, Sodbrennen lindern konnte, wie die üblichen Medikamente.

In der Medikamenten-Kontrollgruppe verspürten ca. 54% der Teilnehmer eine entscheidende Besserung der Symptome. In der Mittelmeer-Gruppe hingegen waren es mit 63% der Teilnehmer noch 9% mehr, die eine klinisch relevante Verbesserung ihrer Symptome feststellten.

Die Schwere der Symptome nahm bei der Mittelmeer-Gruppe um rund 40% ab, während die Probanden der Medikamenten-Kontrollgruppe eine Abnahme der Schwere ihrer Beschwerden von etwa 30% feststellen konnten.

Als zusätzliches „Bonbon“ profitierten die Mittelmeer-Patienten laut Dr. Zalvan noch weiter von der verordneten mediterranen Diät. Der Mediziner merkt an, dass „Patienten quasi beiläufig an Gewicht verloren und so auch ihre Blutdruck- und Cholesterinwerte positiv beeinflusst wurden“.

Zusammenfassung: Geringe Kosten und positive Wirkung

Trotz alledem muss die Verlässlichkeit der Ergebnisse dieser Untersuchung letztlich noch durch weitere Studien belegt werden. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass eine pflanzliche Diät eine effektive Alternative zur Therapie von Sodbrennen und der Refluxkrankheit sein kann. Die Behandlung kostet nur einen Bruchteil der klassischen Therapie mit Medikamenten und umgeht dabei viele der Nebenwirkungen und Risiken. Außerdem ist – quasi als Bonus – eine gesunde Ernährung bei Weitem nicht nur hilfreich bei Sodbrennen“, so Dr. Zalvan.

Wenn du das selbst mal ausprobieren möchtest, kannst du natürlich zu allererst mal selbst einige leckere pflanzlich basierte Rezepte von meiner Seite hier auszuprobieren. Oder, falls Deine Zeit knapp bemessen sein sollte, kann ich einen tollen Anti-Sodbrennen-Smoothie empfehlen, basierend auf weiteren 2017-er Studien, die auch extrem positive Wirkung gewisser Gemüsesorten auf Sodbrennen Symptome feststellen konnten.

Prinzipiell ist das ja aber alles ein alter Hut, denn schon Oma wusste, dass Du Dein Gemüse aufessen sollst und ein Apfel am Tag den Doktor fern hält. Die Forschung hat nun lediglich bestätigt, was wir eigentlich schon lange wussten.

Quellen:

1 – Craig H. Zalvan, MD1; Shirley Hu, MD2; Barbara Greenberg, MSc, PhD3; et al; A Comparison of Alkaline Water and Mediterranean Diet vs Proton Pump Inhibition for Treatment of Laryngopharyngeal Reflux; in: JAMA Otolaryngol Head Neck Surg. 2017;143(10):1023-1029. doi:10.1001/jamaoto.2017.1454

2 – Vandana Panda, Priyanka Shinde, Jyoti Deora, Pankaj Gupta – A comparative study of the antacid effect of some commonly consumed foods for hyperacidity in an artificial stomach model; in: Complementary Therapies in Medicine, 2017-10-01, Volume 34, Pages 111-115, Elsevier Ltd., https://doi.org/10.1016/j.ctim.2017.08.002

Gastautor Thomas Werner

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